Bis ans Ende der Zeit

Kammermusikkonzert des Kulturkreises Glashütten mit Werken des 20. Jahrhunderts, in dessen Zentrum Olivier Messiaens „Quatuor pour la fin du temps“ steht.

Dem „Quatuor“ wird Claude Debussys Sonate für Violine und Klavier sowie Eugene Ysaÿes Sonate Nr.4 für Violine solo vorangestellt. Debussys Sonate für Violine und Klavier wurde mitten im ersten Weltkrieg komponiert und im Mai 1917 mit ihm selbst am Klavier uraufgeführt. Es sollte sein letzter öffentlicher Auftritt sein, nur sechs Monate später erlag er seinem Krebsleiden. Debussy war leidenschaftlicher Nationalist, er wollte sich bewusst von der deutsch-österreichischen Musiktradition abgrenzen und setzte auf freie, dialogische Formen statt der traditionellen „Sonatenhauptsatzform“, um das Werk „französischer“ klingen zu lassen.

Auch Eugène Ysaÿes 4. Solosonate für Violine verzichtet auf diese Form, sie spielt vielmehr auf Bachs Partiten für Violine solo an und ist mit Satzbezeichnungen wie Allemande und Sarabande sehr tänzerisch gedacht. Ysaÿe veröffentlichte das Werk 1923 und widmete es dem Geiger Fritz Kreisler.

Das „Quartett für das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaen bildet schließlich den Schwerpunkt des Konzerts. Es wurde 1940/41 im Görlitzer Kriegsgefangenenlager komponiert, dort uraufgeführt und ist wie so viele Werke Messiaens von einer tiefen Religiosität geprägt. Es gilt als Schlüsselwerk der Kammermusik des 20. Jahrhunderts und verdankt seine ungewöhnliche Besetzung den damals zufällig im Lager anwesenden Musikern.

Das Werk besteht aus acht Sätzen, die in verschiedenen Konstellationen vorgetragen werden. Warum acht Sätze? Messiaen erklärt hierzu:

„Sieben ist die vollkommene Zahl, die sechstägige Schöpfung, die durch den Sabbat geheiligt wird. Die Sieben wird zur Acht des unfehlbaren Lichts, des ewigen Friedens."

Somit wird der Anspruch des Quartetts deutlich: Es strebt nach der Ewigkeit, die von der Zeit entbunden ist. Hierbei spielen auch Vögel eine wichtige Rolle: Für Messiaen sind sie das Gegenteil von Zeit, da sie für ihn eine Brücke zu Gott darstellen. Abgesehen von dieser spirituellen Ebene hat das Quartett aber auch eine konkrete: das „Ende der Zeit“ bedeutete für die Gefangenen damals sicherlich vorwiegend das Ende der Gefangenschaft in Görlitz, doch auch für uns hat es heute angesichts sich ausbreitender Kriege und dem Klimawandel eine unmittelbare Bedeutung.

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