Moonsay 月聞

Eine experimentelle Musikperformance in Zusammenarbeit mit dem Fotografen und Komponisten Hang Su, aufgeführt beim Fluctoplasma Festival in Hamburg.

Ausgangspunkt ist die Frage: Wie klingt Erinnerung – und wie kann Klang zum Ort des Widerstands werden?

Im Zentrum steht ein wachsendes Archiv rassistischer Brandanschläge in Deutschland, dokumentiert durch das Projekt „Brandmuster“ des visuellen Forschers Joel Schülin (Forensic Architecture). Auf dieser Grundlage entwickelt Hang Su eine klangkünstlerische Antwort: Eine Performance, in der alltägliche Objekte wie Wäschegestelle und Posterrollen zu fragilen Klang- körper werden. Ihre Klänge erzählen von Gewalt, von Erinnerung – aber auch von Zusammenhalt.

Der Mond dient als zentrales Symbol: In der chinesischen Kultur steht er für Trennung, Sehnsucht,aber auch für Verbundenheit über Distanzen hinweg. Mondfotografien treffen in der Performance auf Klang, auf Kartenmaterial der Brandanschläge und verschmelzen zu einem neuen poetischen Erinnerungsraum, der jenseits nationaler Grenzen liegt. Moonsay ist keine klassische Aufführung, sondern eine immersive Hörerfahrung, die Klang, Projektion und politische Poesie verbindet – ein Mahnmal aus Licht, Klang und Erinnerung.

>>ablauf
1. Teil (20 Minuten)

Zentrale Elemente des 1. Teils sind 5 Wäscheständer und 5 Posterrollen. 5 Musiker*innen spielen dabei mit Bögen auf den Wäscheständern und nutzen dabei die "Saiten" zur Klangerzeugung. Mithilfe von Kontakt-mikrofonen werden die Klänge der Wäscheständer hörbar gemacht und offenbaren unerwartete Klänge.

Der Komponist Su arbeitet dabei mit den tiefen Frequenzen der Wäscheständer als auch mit fast virtuos anmutenden Obertonspektren der Wäsche- ständer, die mithilfe von Posterrollen als eine Art "bottleneck" den Instrumenten entlockt werden. Die 5 Wäscheständer werden dabei halbkreisförmig im Raum verteilt und jeweils einem Lautsprecher zugeordnet. Es entsteht ein immersives Klangerlebnis, welches Assoziationen an das Grundrauschen eines Radio-teleskops als auch bedrohliche, Horrorfilm-artige Klänge hervorruft.

© Oliver Espace

© Oliver Espace

© Oliver Espace / Darya Kawa

2. Teil (10 minuten)

Im Zentrum des 2. Teils steht eine große Mondfotografie des Astrofotografen Darya Kawa. Gedruckt auf 368 DIN B4 Blätter, wird diese 5,68m x 5,75m messende Fotografie in der Mitte des Halbkreises der Wäscheständer ausgelegt. Auf 30 Blättern sind dabei jeweils Daten von dokumentierten Brandanschlägen auf Wohnungen migrantischer Menschen gedruckt. Diese werden in einer stillen Performance nun jeweils einzeln von den Musiker*innen umgedreht, dem Publikum gezeigt und am Rande der Mondfotografie ausgelegt. Dieser stumme Prozess soll die schmerzliche Erinnerung an diese Brandanschläge darstellen und dem Publikum Raum für Reflexion über das gerade Gehörte und Gesehene geben.